Gewalt in der Schule - Eine Schüler- und Lehrerbefragung

Jugendamt - Interview 2

3.11 Gespräch mit Herrn S., Leiter des Jugendamtes N.

 

Schon immer hatte das JA einen sehr schlechten Ruf in der Bevölkerung. Für Eltern ist es meist peinlich, wenn sie befürchten, daß die Behörde ihnen die Erziehung aus der Hand nehmen möchte. Dieses Image hat sich zwar bereits schon verändert, aber es müssen noch viele Vorurteile abgebaut werden. Das Jugendamt ist z.B. nicht berechtigt, Kinder ins Heim zu geben. Solche Entscheidungen kann nur der Familienrichter entscheiden. Auch ist die Vereinbaren getroffen worden, das Schule und Kindergarten nicht mehr den Eltern mit dem JA drohen dürfen, vielmehr sollen sie mit den Eltern zusammen arbeiten.

Nun gibt es sicherlich auch Eltern, die nicht mit sich reden lassen wollen, hier schaltet sich das JA ein. Es muß sogar einschalten, wenn eine Gefährdung des Kindes/ Jugendlichen vorliegt. Dies geschieht in verschiedenen Stufen:

Als erstes wird eine Beratung des Kindes mit den Eltern durchgeführt. Verläuft ein solches Beratungsgespräch ergebnislos, wird zusammen mit dem Sozialarbeiter ein Hilfeplan erstellt, der dem Kind/Jugendlichen helfen soll. Werden hier keine Erfolge erziehlt geht der Sozialarbeiter in die Familie um dort aktiv mitzuwirken. Konnte immer noch nicht ein Durchbruch erzielt werden, wird das Kind/ der Jugendliche eine zeitlang von seinen Eltern getrennt. Hilft dies immer noch nicht weiter, wird das Kind/ der Jugendliche für längere Zeit bei Pflegeeltern untergebracht. Schlimmstenfalls muß der Vormundschaftsrichter das Kind/ den Jugendlichen in ein Heim unterbringen lassen.

Nur unter akuten Notfällen darf das JA das Kind/ den Jugendlichen eigenhändig zu Pflegeeltern bringen, Der Sozialarbeiter befindet sich überall in einem Zwiespalt, den er hat eine " Garantenstellung". Einerseits muß er kontrollieren und notfalls das Kind notfalls vor den Richter schleppen, anderseits helfen und beraten.

Zum Problem der Gewalt am BBZ ist zu sagen, daß der größte Teil der problematischen Jugendlichen dem Jugendamt bekannt sind. Herr Pritchard ist Mitarbeiter des Jugendamtes und hat sein Büro im BBZ. Außerdem ist für das BBZ noch der Jugendgerichtshelfer Herr Herbst zuständig.

Die Taktik der beiden ist, das Herr P. sich vor allem der Opfer der Gewalt an unserer Schule annimmt. Er ist Ansprechpartner und soll die Opfer moralisch unterstützen, wenn es z.B. zu Zeugenaussagen kommt. Herr H. kümmert sich um die Täter. Er ist eine Art " Rechtsanwalt" der Täter, wobei er natürlich schon im Sinne eines Teilanklägers aggiert. Er macht den Tätern klar, welche Auswirkungen ihre Taten für sie selbst und für die Opfer haben. Er geht auch sehr regeros mit ihnen um, wenn z.B. der Täter das Opfer noch einmal bedroht, wird er der U-Haft überstellt.

Herr S. fordert von den Lehrer des BBZ mehr Unterstützung in der Zusammenarbeit:

- Die Schule soll gegenüber der Bezirksregierung Druck machen und ihre Forderungen hinsichtlich der Sicherheitsmaßnahmen die geplant sind durchsetzen.

- Die Schule soll sich den Opfern besser annehmen.

- Die Schule soll aufklärerisch wirken.

- Die Atmosphäre der Angst soll durchbrochen werden, das Problem mehr an die Öffentlichkeit drängen

- Die Beratungslehrer sollen besser mit Mitarbeitern des Jugendamtes zusammenarbeiten.

Herrn S. sind 30 Schüler bekannt, die stark auffällig sind. Alle kommen aus dem BVJ-Bereich. Im Gegensatz zum vorherigen Jahr, als eine starke Gruppenbildung stattfand, sind es bisher Einzeltäter. Als Grund für die Ausschreitungen nennt Herr S. die " Scheiß egal"- Stimmung der BVJler, da sie keine Perspektiven haben. Auch außerhalb der Schule sind diese Jugendlichen kriminell, an die Eltern heranzutreten stellt sich meistens sehr schwierig dar.

Herr S. lobt den Präventionsrat der Stadt N.. Am BBZ haben schon Freizeitangebote für die entsprechenden Problemjugendlichen stattgefunden. Nachdem allerdings letzten Sommer alle entsprechenden Schüler zum Free-Climbing zugesagt hatten, ist zum Zeitpunkt der Abfahrt zum Hang niemand zur Stelle gewesen.

Es wird ein weiteres Freizeitangebot im Zusammenhang mit der Polizei angeboten, ein Autosicherheitstraining. Allerdings bezweifelt Herr S. eine große Resonanz unter den Jugendlichen.

Herr S. meint, es gäbe von allen Seiten vile tolle Ratschläge, aber zu wenig Aktionen.

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